PRP/CGF bei Kniearthrose

Eine ehrliche Einordnung der Studienlage

Bei Kniebeschwerden durch Arthrose (Gonarthrose) werden zunehmend intraartikuläre Injektionen mit körpereigenem plättchenreichem Plasma (PRP) oder konzentriertem Wachstumsfaktor-Fibrin (CGF) eingesetzt.

Anders als bei manchen anderen Themen auf unserer Seite ist die wissenschaftliche Diskussion hier besonders lebhaft — und das möchten wir Ihnen transparent darstellen, statt einseitig zu werben.

Was sind PRP und CGF bei Knieinjektionen?

PRP (Platelet-Rich Plasma)

Ihnen wird Blut entnommen und in einer Zentrifuge aufbereitet, wodurch ein an Blutplättchen (Thrombozyten) angereichertes Plasma entsteht.

Dieses wird direkt in das Kniegelenk injiziert.

CGF (Concentrated Growth Factor)

Eine weiterentwickelte Form der Eigenblutaufbereitung, bei der durch ein spezielles Zentrifugationsverfahren eine noch höhere Konzentration an Wachstumsfaktoren und einem Fibrin-Gerüst gewonnen wird.

CGF wird von manchen Praktiker als „zweite Generation“ der Thrombozytenkonzentrate bezeichnet.

Ziel der Behandlung

Beide Verfahren zielen darauf ab, über die enthaltenen Wachstumsfaktoren entzündungshemmend zu wirken und die Regeneration des Gelenkgewebes zu unterstützen.

Was zeigt die aktuelle Studienlage?

Positive Entwicklung

Die Deutsche Gesellschaft für Orthopädie und Unfallchirurgie (DGOU) hat ihre Leitlinie zur Kniearthrose im Jahr 2024 aktualisiert.

Während PRP zuvor nicht empfohlen wurde, wird der Methode nun unter bestimmten Voraussetzungen ein möglicher Nutzen zugeschrieben.

Grundlage dafür sind unter anderem eine viel zitierte Metaanalyse (Belk et al., 2021, 18 randomisierte Studien mit 1.608 Patient), die eine signifikant stärkere Verbesserung der WOMAC-Werte (44,7 % gegenüber 12,6 %) für PRP im Vergleich zu Hyaluronsäure zeigte, sowie weitere Metaanalysen, die PRP teils auch Kortikosteroiden überlegen sahen.

Kritische Gegenposition

Gleichzeitig zeigte die RESTORE-Studie (288 Erwachsene, eine methodisch hochwertige placebokontrollierte Studie) keinen Unterschied zwischen PRP und Placebo — weder kurz- noch langfristig.

Auch weitere systematische Übersichtsarbeiten kommen zu widersprüchlichen Ergebnissen, teils mit deutlichen Qualitätsmängeln in Methodik und Verzerrungsrisiko der eingeschlossenen Studien.

Kritiker weisen zudem auf den globalen PRP-Markt hin (2024 auf rund 834 Millionen US-Dollar geschätzt) und mahnen, finanzielle Interessen bei der Bewertung der Methode kritisch zu berücksichtigen.

Eine mögliche Erklärung für die Widersprüche

Neuere Netzwerk-Metaanalysen deuten darauf hin, dass die Ergebnisse stark vom jeweiligen PRP-Aufbereitungsprotokoll abhängen.

Es gibt nicht „das eine PRP“, sondern verschiedene Zubereitungsarten (z. B. leukozytenarm versus leukozytenreich), die unterschiedlich wirken können.

Uneinheitliche Protokolle in verschiedenen Studien könnten die widersprüchlichen Ergebnisse zumindest teilweise erklären.

Unsere Einordnung

Wir bieten PRP/CGF bei Kniearthrose als eine Methode an, die 2024 eine positivere Neubewertung in der deutschen Fachleitlinie erhalten hat, deren Nutzen im Einzelfall aber wissenschaftlich nicht unumstritten ist.

Wir sprechen mit Ihnen offen darüber, was die Studienlage tatsächlich hergibt, und treffen gemeinsam mit Ihnen eine informierte Entscheidung — statt Ihnen ein Wundermittel zu versprechen.

Für wen kann PRP/CGF bei Kniearthrose infrage kommen?

Menschen mit leichter bis mittlerer Kniegelenksarthrose
Personen, die auf andere konservative Maßnahmen (Physiotherapie, Hyaluronsäure) nur unzureichend angesprochen haben
Menschen, die eine Operation möglichst hinauszögern oder vermeiden möchten und eine gut verträgliche, körpereigene Option in Erwägung ziehen

Wer sollte auf PRP/CGF verzichten?

Menschen mit Blutgerinnungsstörungen
Personen mit aktiven Infektionen im Kniegelenk
Bei fortgeschrittener, schwerer Arthrose mit erheblicher Gelenkzerstörung (hier ist eine operative Versorgung meist die sinnvollere Option)
Schwangere (im Zweifel ärztliche Rücksprache)

Ablauf der Behandlung

Anamnese und Diagnostik

Beurteilung des Arthrosegrads, gegebenenfalls anhand vorliegender Bildgebung.

Blutentnahme

Eine festgelegte Menge Blut wird steril entnommen.

Aufbereitung

Je nach gewähltem Verfahren (PRP oder CGF) wird das Blut zentrifugiert.

Injektion

Das aufbereitete Präparat wird unter sterilen Bedingungen in das Kniegelenk injiziert.

Nachsorge-Hinweise

Empfehlungen zur Schonung und Belastung in den Folgetagen.

Behandlungsdauer

Üblich sind 1–3 Injektionen im Abstand von mehreren Wochen, abhängig vom individuellen Behandlungsplan.

Häufig gestellte Fragen

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